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Logitech profitierte vom KI-Boom: Neue Peripheriegeräte für AI-Arbeitsplätze trieben den Umsatz um 28% nach oben. VAT Group aus Haag (SG) liefert Vakuumventile für Halbleiter-Fertigung – ein Markt, der durch die globale Chipindustrie boomt. Sandoz profitierte vom Trend zu Generika und biosimilaren Medikamenten.
Bemerkenswert: Alle drei sind keine SMI-Schwergewichte. Wer 2025 Mid-Caps gehalten hat, war besser dran als mit dem klassischen Swiss-Quality-Korb (Nestlé, Roche, Novartis). Nestlé legte nur 11% zu, Roche 18%, Novartis 22%.
Zum Vergleich: Deutschland erreichte 2021 76% Wahlbeteiligung, Schweden sogar 84%. Selbst Italien, das oft als Demokratie-Krise gilt, lag mit 64% deutlich vor der Schweiz. Die Erklärung ist einfach – aber unbequem: In der Schweiz wird so oft abgestimmt, dass viele Bürger müde geworden sind.
Bei Volksabstimmungen ist die Beteiligung im 5-Jahres-Schnitt nur 38%. Politologen sprechen von einer "stillen Resignation". Besonders auffällig: Junge Stimmberechtigte (18–29) liegen bei nur 32%, Senioren (65+) bei 58%.
Eine vierköpfige Schweizer Familie zahlt 2026 im Durchschnitt CHF 14'400 pro Jahr für die Grundversicherung – das sind 14% des Medianeinkommens. Hinzu kommen Selbstbehalt (10% bis max. CHF 700/Jahr), Spitalpauschale (CHF 15/Tag) sowie nicht gedeckte Leistungen. In der Summe rund CHF 2'400 zusätzlich aus eigener Tasche.
Regional gibt es grosse Unterschiede: Genf liegt mit CHF 488/Mt. an der Spitze, Appenzell Innerrhoden am tiefsten mit CHF 312/Mt. Wer wechselt, kann bis zu CHF 1'800/Jahr sparen – nur 14% der Versicherten machen das aber tatsächlich jedes Jahr.
Der Niedergang hat strukturelle Gründe. Die Kosten sind explodiert: Eine Skirennen-Saison für ein Kind kostet heute CHF 18'000–25'000 (Skikleidung, Material, Trainingslager, Fahrten). Vor 30 Jahren waren es real CHF 4'000–6'000. Damit wird der Sport zur Domäne wohlhabender Familien – und die Auswahlbasis schrumpft drastisch.
Hinzu kommt die Konkurrenz aus Norwegen und Österreich: Beide Länder haben staatlich geförderte Talent-Programme, die in der Schweiz fehlen. Auch das Klima spielt mit: Niedere Skigebiete unter 1'500 m haben heute 30% weniger Schnee-Tage als 1990 – Trainingsbedingungen für den Nachwuchs werden schlechter.
Der spektakulärste Trend: Amerikanische Gäste haben Italiener als zweitwichtigste ausländische Gruppe abgelöst. 2015 waren noch 11% der Engadiner Gäste Italiener und nur 4% Amerikaner – heute ist es genau umgekehrt. Hauptgrund: Der starke Dollar und das wachsende Interesse an "Old World Luxury" bei US-Millionären.
Auch indische Gäste wachsen rasant: 2025 +47%, mittlerweile bei 3% aller Logiernächte – Tendenz stark steigend. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer pro Gast: 4.2 Nächte. Die durchschnittlichen Tagesausgaben: CHF 380 (Schweizer) bis CHF 720 (Amerikaner).
Die günstigsten Regionen der Schweiz: Jura, Wallis-Oberland, Glarus Süd, Tessin Bleniotal. Hier kostet ein 5.5-Zimmer-Einfamilienhaus CHF 650'000–890'000. Im Vergleich: Im Kanton Zürich kostet das gleiche Haus CHF 2.4–3.8 Millionen, in der Stadt Zürich oft über CHF 5 Mio.
Doch trotz dieser Preisunterschiede zieht es kaum jemanden hin. Studien zeigen: Nur 2.3% der Wegzieher aus Zürich wählen den Jura, fast alle bleiben innerhalb 30 Minuten Pendeldistanz zum bisherigen Wohnort. Hauptgründe: Arbeitsplatz, Schulen, soziales Umfeld. Wer Homeoffice macht, hat hingegen Optionen – und nutzt sie immer öfter.
Die SBB transportiert pro Tag 1.34 Millionen Passagiere auf einem Streckennetz von 3'265 km. Das macht die Schweiz zum dichtesten Bahnnetz der Welt – noch vor Japan und Belgien. Pro Kopf ist die Schweiz Bahnnutzungs-Weltmeister: 2'520 km pro Person und Jahr – das Doppelte der Deutschen.
Auch der ZVV liefert beeindruckende Zahlen: 740 Millionen Passagiere pro Jahr auf einem Verkehrsnetz von 2'200 km. Die Rhätische Bahn mit Bernina- und Glacier-Express verzeichnet einen neuen Rekord: 27% der Passagiere kommen aus Asien (vor allem Indien, China, Korea). Die UNESCO-Welterbe-Strecke ist der einzige Schweizer Tourismus-Hotspot, der nur über die Bahn erreichbar ist.
Die Story hinter den Zahlen: Migros wächst kaum noch, hält aber den ersten Platz dank breiter Aufstellung (M-Budget, Migros, Sano, Migros-Bio). Coop hat in den letzten 5 Jahren stärker zugelegt, vor allem dank "Prix Garantie" und der Übernahme von Tankstellenshops. Der grosse Verlierer: Manor – minus 18% in 5 Jahren.
Die wahre Disruption kommt aber von den Discountern: Aldi und Lidl wuchsen 2025 zusammen um 9.4%. Und vom Online-Handel: Galaxus, Digitec und Coop@home zusammen erreichten 22% des Schweizer Non-Food-Markts. Die nächste Welle: Tiefkühl-Lieferdienste wie Picnic und Migros-Online.
Der Trick: Das Festival da Jazz in St. Moritz richtet sich an ein extrem kaufkräftiges Publikum. Eintrittspreise von CHF 280–680 pro Konzert sind normal, dazu kommen Hotelübernachtungen (durchschnittlich CHF 1'250/Nacht im Badrutt's Palace), Gastronomie und Begleitprogramm. Pro Gast werden im Schnitt CHF 4'200 ausgegeben – während es in Montreux CHF 850 sind.
Schweizer Festival-Markt insgesamt: rund CHF 580 Millionen wirtschaftlicher Effekt pro Jahr, mit über 250 grösseren Festivals. Der grösste Trend: Boutique-Festivals mit weniger Besuchern aber höherer Marge gewinnen, während Massen-Events wie Open Airs unter Druck geraten – Wetter, Logistik und steigende Kosten machen ihnen zu schaffen.
Die "Stille Mehrheit" der Schweizer Musikkonsumenten kauft Schlager und Volksmusik – kommt aber in Medien kaum vor. Die Zielgruppe ist 45+, ländlich, konsumiert eher CDs und Radio als Streaming. Stars wie Beatrice Egli, die Stiller Has, Andreas Gabalier oder die Kastelruther Spatzen verkaufen jährlich Hunderttausende Tonträger – ohne dass es darüber Berichterstattung gäbe.
Streaming wächst zwar weiter (heute 75% des Musikkonsums), aber genau dort spielen die Volksmusik-Fans nicht mit. Das hat Folgen für die Wahrnehmung: Während Spotify-Charts von Pop und Hip-Hop dominiert werden, zeigt die Verkaufsstatistik ein ganz anderes Bild. Klassik bleibt bei stabilen 9% – mit überdurchschnittlich kaufkräftiger Kundschaft.