Armee
Überraschung: Die erste Patriot-Einheit kommt schon 2027
Vergangenheit. Die Schweiz hat fünf Patriot-Systeme zur Luftverteidigung vorgesehen. Die Auslieferung verzögert sich: Bei den vier übrigen Systemen kann es bis zu sieben Jahre länger dauern. Am Donnerstag, 29. Oktober, informierte US-Botschafterin Callista Gingrich Verteidigungsminister Martin Pfister telefonisch.
Gegenwart. Am Freitag, 30. Oktober, gab Pfister die Wende bekannt: Bis Mitte 2027 erhält die Schweiz eine erste Feuereinheit mit Radar, Abschussvorrichtung und weiterer Ausrüstung. Damit kann die Ausbildung früher beginnen.
Zukunft. Die Systeme sollen direkt beim Hersteller gekauft werden; dafür braucht es noch die Zustimmung des US-Kongresses. Die Kosten sind unklar. Für ein zweites System hat der Bundesrat am Mittwoch das israelische Barak MX und das französische SAMP/T NG in die Vorauswahl genommen.
«Fragen Sie, wann die Schweiz ihr erstes Patriot-System erhält – schon bis Mitte 2027, früher als gedacht.»
Quelle: 20 Minuten, 30. Oktober 2026
Armee
Ruag-Skandal: 2500 Lagerkorrekturen, 1140 Verschrottungen
Vergangenheit. Über Jahre soll ein ehemaliger Kadermitarbeiter wertvolle Panzer-Ersatzteile unter Marktwert verkauft haben, mutmasslich an einen deutschen Partner. Die Ruag nahm rund 2500 Bestandskorrekturen an Teilen der Armee vor, darunter 1140 Verschrottungen, ohne Bewilligung der Armee. Der Schaden liegt im hohen zweistelligen Millionenbereich.
Gegenwart. Am 30. Oktober stellte Verteidigungsminister Martin Pfister den Bericht der Kanzlei Niederer Kraft Frey vor: schwerwiegende Verfehlungen, Hinweise auf strafbare Handlungen. Die Ruag klagt gegen zehn Personen auf rund 51 Millionen Euro; in der Schweiz und in Deutschland laufen Strafverfahren, es gilt die Unschuldsvermutung. Das VBS sperrte fragwürdige Teile, um die Leopard-2-Flotte einsatzbereit zu halten.
Zukunft. Eine Arbeitsgruppe prüft die Verantwortung von Ruag-Organen und Bund; in zwei bis drei Monaten geht der Bericht an den Bundesrat. Die Ständeratskommission berät das neue Ruag-Gesetz nicht vor Anfang 2027.
«Fragen Sie, wie hoch die Ruag-Klage ist – rund 51 Millionen Euro gegen zehn Personen.»
Quelle: 20 Minuten, 30. Oktober 2026
Bundesrat
Köppel nennt SVP-Kandidat Gallati «absolut unqualifiziert»
Vergangenheit. Guy Parmelin tritt Ende Jahr aus dem Bundesrat zurück. Bis zur Frist am 23. Oktober meldeten sich bei der SVP acht Personen, laut Plattform J: Thomas Aeschi, Michael Graber, Rémy Wyssmann, Céline Amaudruz, Marco Chiesa, Jean-Pierre Gallati, Franz Ruppen und Pierre Alain Schnegg.
Gegenwart. Am Freitag, 30. Oktober, griff Roger Köppel in «Weltwoche Daily» den Aargauer Regierungsrat Gallati an. Er nannte ihn «absolut unqualifiziert» und «Gegner der schweizerischen Neutralität», weil Gallati vor rund zwei Jahren in einem NZZ-Interview Christoph Blochers Neutralitätsinitiative ablehnte. Gallati äussert sich laut seinem Departement nicht dazu.
Zukunft. Die Hearings der Findungskommission laufen bis zum 13. November, die Fraktion bestimmt am 20. November ihr Ticket, die Bundesversammlung wählt am 9. Dezember.
«Fragen Sie, wann der Parmelin-Sitz vergeben wird – am 9. Dezember, die SVP-Fraktion entscheidet am 20. November.»
Quelle: 20 Minuten / Plattform J, 23.–30. Oktober 2026
Aussenhandel
Schweiz und China erneuern ihr Freihandelsabkommen
Vergangenheit. Das bisherige Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und China stammt aus dem Jahr 2014.
Gegenwart. Bundespräsident Guy Parmelin und Chinas Staatspräsident Xi Jinping unterzeichneten am Freitag, 30. Oktober, in Peking die erneuerte Fassung. Neu ist ein rechtsverbindliches Kapitel zu Handel und nachhaltiger Entwicklung – nach Angaben des Wirtschaftsdepartements ein Novum für ein chinesisches Freihandelsabkommen. Zudem wurde ein Forschungsabkommen unterzeichnet.
Zukunft. Vorgesehen sind Treffen mit Wirtschaftsvertretern beider Länder und die Eröffnung des 9. Schweizerisch-Chinesischen Wirtschaftsforums.
«Fragen Sie, was neu ist am China-Abkommen – erstmals ein verbindliches Kapitel zu nachhaltiger Entwicklung.»
Quelle: Keystone-SDA / Wirtschaftsdepartement WBF (via radiocentral.ch), 30. Oktober 2026
Aussenpolitik
Cassis in Pjöngjang: Erster Bundesrat seit 2003 in Nordkorea
Vergangenheit. Das Schweizer Büro in Pjöngjang war seit März 2020 wegen der Pandemie geschlossen. Seit dem 19. Oktober ist es wieder in Betrieb, geleitet von Sylvain Astier mit drei lokalen Angestellten. Der letzte Bundesrat in Nordkorea war Micheline Calmy-Rey im Jahr 2003.
Gegenwart. Aussenminister Ignazio Cassis sprach zwei Stunden mit Aussenministerin Choe Son Hui und nannte das Gespräch «fruchtbar». Kim Jong Un traf er nicht. Er bot die guten Dienste der Schweiz an; das Angebot sei gut aufgenommen worden.
Zukunft. Die Gespräche legten laut SRF die Grundlage für künftige Projekte bei Ernährung und Gesundheit. Anschliessend traf Cassis in Südkorea ranghohe Vertreter.
«Fragen Sie, wer zuletzt in Nordkorea war – Ignazio Cassis, als erster Bundesrat seit 2003.»
Quelle: SRF, 30. Oktober 2026
Nationalbank
SNB: 44,2 Milliarden Franken Gewinn nach neun Monaten
Vergangenheit. Getragen wird das Ergebnis laut SRF von den starken Börsen.
Gegenwart. Die Schweizerische Nationalbank meldet für die ersten neun Monate des Jahres einen Gewinn von 44,2 Milliarden Franken. Mehrere Medien nennen dieselbe Zahl.
Zukunft. Offen ist, ob und wie viel die SNB an Bund und Kantone ausschüttet.
«Fragen Sie, wie viel die SNB nach neun Monaten verdient hat – 44,2 Milliarden Franken.»
Quelle: SRF / Blick / watson / nau.ch / investrends.ch, Ende Oktober 2026
Geschichte
Vor 40 Jahren: Der Brand von Schweizerhalle färbt den Rhein rot
Vergangenheit. In der Nacht auf den 1. November 1986 brannte bei Basel die Lagerhalle 956 des Chemiekonzerns Sandoz. Gemeldet um 0.19 Uhr, gelöscht um 6.05 Uhr. Rund 1350 Tonnen Chemikalien, vor allem Agrochemikalien und Quecksilberverbindungen, verbrannten.
Gegenwart. Etwa 15 Millionen Liter Löschwasser mit 30 bis 40 Tonnen Giftstoffen gelangten in den Rhein; Aale und Äschen starben über weite Strecken. In Muttenz heulten die Sirenen zum ersten Mal seit Kriegsende. Die Aufräumkosten werden auf rund 141 Millionen Franken geschätzt.
Zukunft. Der Grossbrand gilt als Auslöser der Störfallvorsorge in der Schweiz. Am Sonntag, 1. November, jährt er sich zum 40. Mal.
«Fragen Sie, was 1986 in Schweizerhalle geschah – ein Sandoz-Lagerbrand, dessen Löschwasser den Rhein vergiftete.»
Quelle: SRF (Rückblick von 2016), Bundesamt für Umwelt (BAFU)
Tennis
Swiss Indoors: Vacherot trifft im Final auf «Schweizer Schreck» Lehečka
Vergangenheit. Am Freitag, 30. Oktober, schlug Jiří Lehečka die Schweizer Wildcard Jérôme Kym 6:4, 6:2. Zuvor hatte er in Basel Stan Wawrinka ausgeschaltet, für den es das letzte Profimatch war.
Gegenwart. Am Samstag, 31. Oktober, besiegte Valentin Vacherot (Monaco, ATP 31) im Halbfinal Taylor Fritz 7:6, 6:3. Lehečka (Tschechien, ATP 21) gewann gegen Jan-Lennard Struff 3:6, 7:5, 6:4.
Zukunft. Das Finale zwischen Vacherot und Lehečka beginnt am Sonntag, 1. November, ab 15.30 Uhr. Vacherot, der vor etwa einem Jahr in Schanghai als Qualifikant ein Turnier gewann, steht erstmals seither wieder in einem ATP-Final. Lehečka ist 24 und jagt seinen dritten ATP-Titel. (Stand: 31. Oktober, nach den Halbfinals)
«Fragen Sie, wer in Basel im Final steht – Vacherot gegen Lehečka, Anspiel am Sonntag um 15.30 Uhr.»
Quelle: SRF / nau.ch / tennis-db.com, 31. Oktober 2026
Fussball
Super League: Lugano führt vor dem Spiel gegen Basel
Vergangenheit. Nach elf Runden führt der FC Lugano die Tabelle mit 31 Punkten an, vor den weiterhin ungeschlagenen Young Boys (25) und dem FC Sion (22).
Gegenwart. Der FC Zürich ist Vierter mit 17 Punkten, der FC Basel liegt mit 14 Punkten auf Rang 7.
Zukunft. In der 12. Runde trifft Lugano am Sonntag, 1. November, auf den FC Basel. (Stand: nach der 11. Runde)
«Fragen Sie, wer die Super League anführt – Lugano mit 31 Punkten nach elf Runden.»
Quelle: Blick / sportschau.de, 31. Oktober 2026
Eishockey
ZSC Lions: 13 Punkte Vorsprung nach der ersten Niederlage
Vergangenheit. Die Zürcher gewannen die ersten zwölf Saisonspiele. Am 20. Oktober verloren sie in Davos 2:3, die erste Niederlage der Saison.
Gegenwart. Am Dienstag, 27. Oktober, siegten sie bei SC Bern 4:1. Sie führen die National League mit 42 Punkten aus 16 Spielen an, 13 Punkte vor Ambri-Piotta (29).
Zukunft. Gespielt ist erst knapp ein Drittel der 52 Qualifikationsspiele. (Stand: 27. Oktober)
«Fragen Sie, wie weit die ZSC Lions vorne liegen – 13 Punkte vor Ambri-Piotta (Stand 27. Oktober).»
Quelle: blue News, 20. und 27. Oktober 2026
In eigener Sache
Wer hinter FactQ steht
Hinter dieser Ausgabe steht FactQ – ein unabhängiger Schweizer Verlag mit einem Netzwerk freier Redaktorinnen und Redaktoren. Jede Ausgabe wird von Hand recherchiert, geprüft und geschrieben – von der ersten Quelle bis zum letzten Smalltalk-Tipp. Das ist Absicht: handgemacht statt automatisiert, jede Zahl mit Quelle, jede Einordnung mit einem Kopf dahinter.
FactQ wächst – Woche für Woche: 100 Abos in 5 Monaten. Mit jeder neuen Leserin, jedem neuen Leser und jedem verkauften Abo wächst auch das Netzwerk, das FactQ trägt: mehr Hände, gleicher Anspruch.
Wenn Ihnen die Sonntagsausgabe etwas wert ist, helfen zwei Dinge am meisten: ein Abo – und eine Empfehlung an die richtige Person. Beides bringt uns einen Schritt weiter.
Danke, dass Sie dabei sind.
Stephan Camenzind, Gründer FactQ
Glossar A–Z
Die fünf Begriffe der Woche – kurz erklärt.
Findungskommission. Ein Gremium der Partei, das Kandidaturen für einen Bundesratssitz prüft, die Bewerberinnen und Bewerber anhört und der Fraktion einen Antrag stellt.
Gute Dienste. Vermittlung durch einen neutralen Staat, etwa durch Gesprächsangebote zwischen Konfliktparteien oder die Vertretung fremder Interessen.
Patriot. Bodengestütztes Flugabwehrsystem aus den USA; eine Feuereinheit besteht unter anderem aus Radar und Abschussvorrichtung.
Störfallverordnung. Regelt, wie Betriebe mit grossen Mengen gefährlicher Stoffe Unfälle verhindern und deren Folgen begrenzen müssen; sie geht auf Lehren aus Schweizerhalle zurück.
Unschuldsvermutung. Grundsatz, wonach jede Person bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung als unschuldig gilt, auch wenn Ermittlungen laufen.